Borderlands: The Pre-Sequel

Es gibt zwei Arten, sich mit der Borderlands-Reihe auseinander zu setzen: Hass oder Liebe. Beginnen wir mit den Zitaten aus der Fraktion der Ewiggestrigen und Nörgler, die auf die Ankündigung von »Borderlands: The Pre-Sequel« folgten:

Drei Bösewichte und eine Nervensäge sollen also die Helden des aktuellsten Teils der Borderlands-Reihe sein?! Verpisst Euch, Ihr Skag-Lecker!

Wer zur Hölle ist 2K Australia und wieso dürfen die Borderlands 3 entwickeln? Da schicke ich direkt ein SWAT-Team hin!

Was?! Das neue Borderlands erscheint nur auf den alten Konsolen?! Wozu habe ich denn Next Gen gekauft?!

50 Euro für einen DLC, in dem alle einen australischen Akzent haben? Bekommt denen die geringe Schwerkraft nicht?!

Ich soll Handsome Jack an die Macht bringen?! Haha, lutsch an meiner Schrotflinte, Baby!

Nun, das bisher eher unauffällig agierende Entwicklerteam 2K Australia hat es geschafft, all diese Reichsbedenkenträger mit einer Arschbombe des Spielfelds zu verweisen. Denn »Borderlands: The Pre-Sequel« ist großartig. Wenig überraschend für einen Kammerjäger wie mich, der es gar nicht erwarten konnte, die gewohnte Suchtspirale um Aufleveln, legendäre Beute oder Badass-Ränge erneut zu starten.

Wer übrigens noch nie ein Auge auf die Spiele der Borderlands-Reihe geworfen hat, der spielt bitte zuerst Borderlands 2 inklusive aller DLC. Bekommst Du überall für kleines Geld hinterher geworfen. Betrachte es als Investition in ein Gesamtkunstwerk. Danach spielst Du dann The Pre-Sequel. Du bist Dir noch nicht sicher, ob Borderlands überhaupt etwas für Dich ist? Magst Du Saints Row? Kannst Du Dir eine Mischung aus Halo und Diablo vorstellen? Kaufen!

Das Schöne an Fortsetzungen ist ja, dass Du genau weisst, was Du bekommst. Glaubst Du zumindest. Im Falle von »Borderlands: The Pre-Sequel« ist das auch so. Aber! Du bekommst noch einen Haufen mehr. Und Du hättest vermutlich nicht gedacht, dass es so viel Spaß machen würde. Und wo wir gerade beim Spaß sind. Haltet mal ein Auge auf den Twitter-Account von Randy Pitchford, dort wurden seit Release schon über 40 goldene Schlüssel verschenkt.

Die spielbaren Charaktere sind ja alle bekannt (und hier und hier nachzulesen), aber in den Stunden, die ich The Pre-Sequel vorab anspielen konnte, hat mich dennoch nichts auf den z.B. trockenen Humor und die schwarze Söldnerseele von Wilhelm vorbereitet. Und wer glaubte, dass er schon alle Moves des Fragtraps gesehen hat, der irrt!

Jetpacks gab es dieses Jahr ja auch schon in »Titanfall« und »Destiny«. Aber der Butt-Slam aus The Pre-Sequel degradiert sie alle und ist eine so wahnsinnig geile Art und Weise, Gegner umzuhauen – hach! – das musst Du selbst erlebt haben. Seit ich »Borderlands: The Pre-Sequel« spiele, will mich in »Destiny« keiner mehr im Team haben. Ich springe nämlich immer hoch in die Luft und lande dann ereignislos inmitten meiner Gegner. Es bleibt noch Zeit für ein – zugegeben kinoreifes – verdutztes Gesicht, und dann ist es vorbei. Tja, so versaut hat mich The Pre-Sequel.

Für unser Geld bekommen wir 4 neue Charaktere in einer aberwitzigen Kampagne. Und tatsächlich haben sie es geschafft, einen Hyperion-Angestellten namens Jack, der sogar Roland und Lilith zu seinen Freunden zählte, von einem anständigen Tunichtgut in den fiesen, durchgeknallten Bösewicht zu verwandeln, der uns in Borderlands 2 die Hölle heiß macht. Die Story trägt natürlich die Handschrift von Anthony Burch und ist deswegen auch Garant für Unterhaltung auf hohem Niveau. Apropos Niveau. Hier scheiden sich natürlich die Geister, denn den Humor von Borderlands muss man mögen.

Neben neuer Story, neuer Landschaft (Mond!), weniger Schwerkraft und schönen Protagonisten gibt es natürlich noch mehr Neuigkeiten in »Borderlands: The Pre-Sequel«. Und ich meine nicht Mondstein (statt Eridium). Moxi hat neue Kleider spendiert bekommen, Schwester Nina macht mir noch mehr Angst als Dr. Ned, Claptraps tragen Polizeiuniform und sorgen für Recht und Ordnung, Daft Punk legen in Concordia auf und alle außer Fragtrap brauchen Sauerstoff. Und darüber hinaus gibt es – ich zitiere den geschäftigen Händler Marcus – Waffen! Waffen! Waffen! Es gibt z.B. neue Laserwaffen. Die alleine sind so geil, dass sie den Kaufpreis rechtfertigen („Was nützt Dir Dein ganzes Geld, wenn Du es nicht ausgibst?!“). Und Frostwaffen gibt es noch gratis dazu. Und neue Fahrzeuge, neue Herausforderungen und Geheimnisse!

Das einzig enttäuschende an »Borderlands: The Pre-Sequel« ist die Tatsache, dass es auf diesem Mond keine Nazis gibt, die man ins Weltall pusten kann und dass ein Claptrap bei geringerer Schwerkraft anscheinend keine Probleme mehr mit Treppen hat. Zwei dicke Patzer in der Story. Aber es kommen ja noch ein paar DLC. Vielleicht klärt sich dann alles auf!

Die Kampagne von »Borderlands: The Pre-Sequel« dauert so ca. 20 Stunden, inklusive aller Nebenquests vielleicht sogar noch ein wenig länger. Danach geht es in bewährter Weise weiter. Wahre Kammerjäger wissen, wovon ich rede. Seine ganze Pracht entfaltet das Spiel aber erst, wie nicht anders zu erwarten, im kooperativen Multiplayer (auch Couch-Modus). Wer drei Freunde hat, für den ist »Borderlands: The Pre-Sequel« eine Offenbarung. Und wer die drei Freunde behalten will, der sorgt dafür, dass einer der drei anderen den Fragtrap spielt.

»Borderlands: The Pre-Sequel« ist genau so, wie ich mir Videospiele wünsche. Es ist bunt, laut, ordinär, verwirrend, anspruchsvoll schwer, leicht repetitiv, suchterzeugend, überraschend, abgefahren komisch, hervorragend erzählt, erstklassig lokalisiert und es macht jede Menge Spaß!

Dieser Text wurde ursprünglich am 7. November 2014 auf zockworkorange.com veröffentlicht.