Jazzpunk

Hunter S. Thompson kandidierte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nahe seiner Heimatstadt Woody Creek als Sheriff in Aspen, Colorado. Zu dieser Zeit befand sich ein republikanischer Sheriff im Amt, der seine Haare militärisch kurz zu tragen pflegte und gegen den Thompson antreten musste. Hunter schor sich während seiner Kampagne eine Glatze und beschimpfte seinen Gegenkandidaten als »my long haired opponent«. Er verlor die Wahl trotzdem.

Josef Carl Engressia Junior war von Geburt an blind. Und der hatte das absolute Gehör. Er liebte es, den Tag am Telefon zu verbringen, Nummern zu wählen und sich die Meldungen der Telefongesellschaften anzuhören, wenn er auf eine nicht vergebene Nummer stieß oder eine Fehlermeldung erwischte. Manchmal pfiff er leise vor sich, während er durch das Telefonnetz surfte. Dabei fand er heraus, dass Töne um die 2.600 Hertz dazu genutzt wurden, Befehle an die Telefonvermittlungsanlagen zu senden. Am Ende konnte er nur durch ein Pfeifen zu Beginn des Telefonats die Gebühren für dieses Telefongespräch manipulieren. Sein Spitzname war »The Whistler«, aber er änderte seinen Namen später in »Joybubbles«. Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lernte er John T. Draper kennen und erzählte ihm von seinen Manipulationen. Draper entdeckte dann, dass die Spielzeugflöte aus seiner Frühstücksflockenschachtel eben genau diese Töne erzeugen konnte. Er gab sich selbst in Anlehnung an den Hersteller der Flocken den Namen »Capt’n Crunch«, wurde ein Jahr später vom FBI verhaftet und zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Telefon-Betrugs verurteilt.

Was haben diese beiden Geschichten gemeinsam? Ich meine außer, dass sie Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschehen sind? Nun, es sind Geschichten, an die ich denken musste, als ich »Jazzpunk« spielte.

Dieses »Jazzpunk« ist ein Comedy-Adventure, habe ich jetzt überall gelesen. Okay. Aber COMEDY in Großbuchstaben, bitteschön, und fett geschrieben. Keine Ahnung, welche Drogen die Entwickler von Necrophone Games genommen haben. Aber die Frage sollte auch eher lauten: Wo bekomme ich diese Drogen her?! Das Spiel startet auch mit Drogen. Nur auf Rezept, immer nur eine Pille pro Level, bis die Grenzen der Realität genügend erweitert sind. Risiken und Nebenwirkungen? Häufig kann beabsichtigter Verzehr durch ein Krokodil auftreten.

Wer Slapstick mag, genug Filme, Videospiele und Bücher konsumiert hat, um nur die Hälfte der unzähligen Referenzen überhaupt zu bemerken und wer statt eines Easter Eggs im Spiel lieber das Spiel im Easter Egg suchen geht, für den ist »Jazzpunk« genau das richtige!

»Jazzpunk« spottet sowieso jeder Beschreibung und deswegen lasse ich es jetzt auch sein. Da spiele ich doch lieber noch eine Runde »Wedding Quake« mit dem Wissen, eines der witzigsten und besten Spiele dieses Jahres zu spielen.

Dieser Text wurde ursprünglich am 11. Februar 2014 auf zockworkorange.com veröffentlicht.