The Walking Dead

Auf dem Weg ins Gefängnis fühle ich mich echt mies. War es das alles wert? Vermutlich schon. Würde ich es wieder genau so machen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Ja. Doch wie durch ein Wunder komme ich frei bevor ich überhaupt – für immer? – weggesperrt werde. Allerdings ist der Albtraum, in dem ich nun gefangen bin, viel schlimmer als es die nackten Wände im Gefängnis je hätten werden können. Mein neuer Knast ist unsere Welt. Und dort herrscht das Grauen.

Die ersten schrecklichen Stunden überlebe ich in der neuen Welt. Und treffe Dich. Du bist verängstigt, allein, einsam. Aber Du vertraust mir, rettest mein Leben und ich werde Dir dafür ewig dankbar sein. Ich werde Dich mit meinem Leben beschützen. Bis in den Tod. Nur nicht darüber hinaus. Bis in den Tod.

Du erzählst mir alles von Dir und ich höre zu. Ich bin ein guter Zuhörer. Aber Du entlockst mir auch meine Geheimnisse. Selbst die dunklen, die ich für immer in mir selbst begraben glaubte. Zuerst bist Du verängstigt, besorgt und vielleicht sogar ein wenig entsetzt? Aber bald glaubst Du zu verstehen, dass die Welt niemals Schwarzweiß ist und schöpfst neue Hoffnung. Auf eine gemeinsame Zukunft. Mit mir.

Wir finden andere, die wie wir sind. Auf der Suche. Weggefährten. Freunde in dieser freudlosen Welt ohne Zukunft. Wir werden sterben. Alle. Und wir wissen, es wird ein Leben nach dem Tod geben. Wenn wir nicht aufpassen natürlich. Natürlich?

Verrat erschüttert uns und wir verraten dennoch andere. Wir lassen Gefährten zurück und werden allein gelassen und enttäuscht. Aber Du lächelst mich an und alles ist gut. Die Sonne geht auf, denn Du bist da. Bei mir. Ich kann Dich beschützen. Ich will Dich beschützen. Denn Du bist bei mir.

Du lernst zu kämpfen. Obwohl Du noch viel zu jung für den Kampf bist. Wir töten. Wir wollen nicht sterben. Nicht so. Deine traurigen Augen zerreißen mir das Herz. Aber ich habe keine Tränen mehr. Sorry, Kleines.

Freunde sterben und ihr Blut klebt auch an unseren Händen. Viel Blut. Aber wir finden neue Freunde und bewahren uns alte. Doch am Ende werden es immer weniger. Dennoch ist da Hoffnung. Und Verzweiflung. Doch Dein Lächeln gibt mir die Kraft, die ich brauche.

Am Ende verrate ich Dich. Bin nicht bei Dir. Und Du bist wieder allein. Und doch bleibst Du stark. Gibst nicht auf. Bis ich wieder zu Dir gefunden habe. Doch die letzte Wahrheit, die ich Dir beibringen muss, ist die Schlimmste: Die Welt ist Schwarzweiß geworden. Gut und Böse. So einfach ist das.

… bitte nur weiterlesen, wer das Ende schon kennt …

Du wirst mich töten müssen. Du, meine Liebe. Und es bricht mir das Herz, Dir das antun zu müssen. Dich leiden zu sehen. Es schmerzt unerträglich, Liebes. Bitte. Du musst mich töten.

Es tut mir Leid, Clementine. Es tut mir so Leid.

Bei Episoden-Spielen halte ich es wie mit TV-Serien. Ich warte bis eine Staffel abgeschlossen ist und schaue/spiele sie dann in einem Rutsch durch. Bei »The Walking Dead« war ich sehr skeptisch, da ich überhaupt gar nicht auf Zombie-Geschichten stehe. Aber »The Walking Dead« ist gar keine Zombie-Geschichte. Es ist viel mehr! Das Ich-Gefühl in diesem Spiel ist einfach überwältigend. Es nimmt einen mit und lässt einen nicht mehr los, bis zum bitteren Ende.

»The Walking Dead« ist mit minimalem Gameplay, Cel-Shading-Optik und mitreißender Story genau die Art von Videospiel, die mich nach dem Abspann einfach nur zufrieden vor dem PC sitzen lässt. Mit der Hoffnung auf mehr.

Dieser Text wurde ursprünglich am 12. April 2013 auf zockworkorange.com veröffentlicht.